Können wir den schwarzen Kisten wirklich trauen?

Anfang Juni 2018 war ich zu Gast an der Technischen Universität Berlin beim Berliner Arbeitskreis Information, um über Erfahrungen und Ideen beim Umgang mit Fake News zu berichten. Dabei wurden im Vortrag und beim Gespräch mit den rund 40 TeilnehmerInnen auch Beobachtungen skizziert, die sich um eine schwarze Kiste drehen, der wir offenbar zu viel Vertrauen schenken.

 

Dunkelverarbeitung
Black Box Processing oder Dunkelverarbeitung ist eigentlich nichts Schlechtes: Damit werden Routinetätigkeiten der Informationsverarbeitung bezeichnet, die im Hintergrund ablaufen und die Nutzer von Routinearbeiten entlasten. Diese Prozesse wurden zuvor von kundiger Hand für die Nutzer entwickelt und die können darauf vertrauen, ohne dass die Ergebnisse der Prozesse hinterfragt werden müssten.

 

Doch das Black Box Processing in dunklen Kisten wird um uns herum immer zahlreicher und die verantwortlichen Akteure sowie ihre Absichten immer undurchsichtiger: die Auswahlalgorithmen sozialer Netzwerke ändern sich ständig … Suchmaschinen spülen Ergebnisse nach oben, die wir eigentlich nicht suchen … und hinter mancher Pressemeldung stecken Absichten unerkannter Interessengruppen.

Und dennoch scheint unser Grundvertrauen in die Dunkelverarbeitung von Information unerschüttert und geht sogar über in eine unkritische Vertrauensseligkeit.

 

Die Folge: wir Nutzer unterstützen durch unser Verhalten die Verbreitung eines schädlichen Produkts aus der schwarzen Kiste: Fake News.

 

Seiteneingang zum Echoraum
So rufen wir immer häufiger Nachrichteninhalte nicht mehr am Haupteingang der Anbieter ab (z. B. direkt bei den großen Tageszeitungen), sondern wir nutzen die Seiteneingänge zu den Inhalten über soziale Netzwerke. Dort verlassen wir uns oft blind auf Auswahlprozesse und Algorithmen, die von den Anbietern zumeist streng geheim gehalten werden. Wir bewegen uns bei der Nutzung sozialer Netzwerke zunehmend in Filterblasen und Echoräumen. Hier bekommen wir mundgerecht vor allem das geliefert, was uns zuvor schon interessiert hat und was unsere Ansichten ausschließlich bestätigt.

 

Trennung von Branding und Content
Die Qualität von Inhalten erkennen wir mit einem Blick an Format und Marke des Anbieters. Wenn wir z. B. die tägliche Ausgabe einer überregionalen Tageszeitung durchblättern, wissen wir von der ersten bis zur letzten Seite: Dahinter steht ein Verleger und ein Herausgeber, eine Redaktion und ihre fachlich geschulten Mitarbeiter. Doch in den sozialen Netzwerken verzichten die Anbieter zuverlässiger Nachrichtenmedien auf diese von ihnen entwickelte sichtbare Marke und ihren qualitätsvollen Rahmen. Technik und Algorithmen der sozialen Netzwerke lösen Format und Inhalt von der Marke ab und würfeln den Content neu zusammen nach den Vorlieben und Klicks der Nutzer. In der schwarzen Kiste werden die Meldungen seriöser Quellen im gleichen Format gezeigt wie fragwürdige Inhalte und sogar in deren unmittelbaren Nähe platziert.

 

Statt gar nichts: Bunter kostenloser Plunder
Zuverlässig aufbereitete Nachrichten erscheinen vielen Nutzern eher langweilig, zudem kosten sie oft etwas. Viele Nutzer verlassen sich deshalb auf kostenfrei verfügbare und kurzweilig aufbereitete Informationsangebote – doch damit liefern die Black Boxes als Vorstufe zu „gar nichts“ den „kostenlosen bunten Plunder, der den persönlichen Echoraum der Nutzer unterhaltsam ausfüllt und obendrein die komplette Aufmerksamkeit abverlangt“.

 

Gatekeeping als Lösungsvorschlag
Oft ist es uns gar nicht bewusst: Wir handeln als Teilnehmer in einem schwer überschaubaren und komplexen Informationsmarkt. In diesem Markt verbergen sich zunehmend viele schwarze Kisten, in denen einerseits Information und Content angeboten werden, andererseits aber auch Fake News gezielt platziert werden im Gewand bekannter und vertrauenswürdiger Formate. Um einen Überblick zu bekommen beim Umgang mit den schwarzen Kisten des Informationsmarktes wurden im Vortrag beim „BAK Information“ Ideen und Methoden des Gatekeeping-Ansatzes vorgestellt und diskutiert. Das Prinzip: Werfen Sie kritische Blicke in die schwarzen Kisten. Es geht darum, Verantwortung für Information bereits dort zu übernehmen, wo sie ausgewählt wird, und ganz besonders dann, wenn wir sie an andere Nutzer weiter reichen.

 

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Informationen auf der Webseite des Veranstalters:
http://bak-information.de/events/bak-0518-fake-news-vom-perspektivenwechsel-der-gatekeeper-lernen/

 

Bericht über den Vortrag mit weiteren Informationen zum Thema Desinformation:

Fake News – Fehl-, Falsch- und Desinformation

... Stefan Zillich setzte den Beobachtungen über fake news die neuen Aufgaben und Tricks des gate keepers entgegen, wobei die Rolle und Aufgabe nicht genau definiert werden kann. Zillichs  hervorragend aufgearbeitete Grafik der verschiedenen  Informationsquellen nach Herkunft und Vertrauenswürdigkeit gab einen guten Überblick. ...

weiterlesen im Bericht des Simon Verlags für Bibliothekswissen

 

Direkter Nutzen für Ihre Arbeit: Erfahren Sie mehr über Ideen und Methoden der Gatekeeper!